| Azzok |
| Göttlicher Schreiber |


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| Anmeldungsdatum: 20.04.2006 |
| Beiträge: 868 |
| Wohnort: Thorwon |
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Kapitel I
1.
Blut. Teiche voll Blut. So lässt sich meine Vergangenheit als junger Zwerg am einfachsten beschreiben. Aufgewachsen in einem der blutrünstigsten und berüchtigsten Clan der Zwerge, dem Schreckensaxt-Clan, wurde ich zum Krieger Dasein erzogen und gezwungen. Gnade und Schwäche hatten keinen Platz in unserer Gesellschaft. Die Schwachen wurden getötet, selbst wenn es sich dabei um unsere eigene Kinder handelte. Wir hatten viele Feinde, aber nur selten Freunde. Wir überfielen die Hallen unserer zwergischen Nachbarn und beraubten uns an ihren Schätzen. Nach dem großen Morden zogen wir uns in unsere Verstecke zurück, wie reißende Wölfe verachtet und gejagt - das war unser Leben.
Ich kann mich kaum mehr an die Details an mein damaliges Leben erinnern. Nicht nur, dass diese Ereignisse schnon mehr als 100 Jahre zurückliegen, sondern vorallem, dass ich sie absichtlich zu verdrängen versuchte. An die folgenden Details des einen Tages erinnere ich mich jedoch noch heute noch. Dieser Tag veränderte mein Leben gewaltig.
Ich zog mit drei anderen Clanbrüdern durch die Berge. Wir waren betrunken wie Dunkelbierfäßer und hatten unseren flüssigen Proviant auf halber Wegstrecke bereits verbraucht. Torkelnd machten wir einen Abstecher zur nächstgelegenen Siedlung. Es war ein winziges Dorf mit ein paar Hütten und vielleicht 20 bis 30 Bewohnern. Die Kneipe war gleichzeitig Rathaus und Versammlungshalle - festlich ausgeschmückt und ziemlich ausgeprägt - im Vergleich zur restlichen Größe des Dorfes. Ich ging also zum Wirt und bestellte, mit meinen üblichen Manieren damals, einen Krug des besten Bieres. "Aye macht 20 Kupfer", sprach der Wirt. Ich griff also zu meinem Geldbeutel und bemerkte erschocken, dass dieser nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz hing. Ich wusste irgendwie, dass ich ihn bei unserer feuchtfröhlichen Reise irgendwo verloren hatte. Schnell geriet ich in Rage und grunzte den Wirt an: "Gib schon her dein Gesöff!". Trotz meiner bedrohlichen Haltung und Stimmlage, wieß der Wirt kühl zurück: "Kein Kupfer, kein Bier, Kumpel!". Ich erhob meine Faust und knallte sie auf den Tisch. Meine Brüder feuerten mich an: "Los Lokhi! Hau zu, du häßliche Gnollweib!". Betrunken und wütend stürmte ich auf den Wirt los und riss ihm, buchstäblich, mit bloßen Händen die Seele aus dem Leib, so arg richtete ich seinen Körper zu.
Die Zwerge aus dem Dorf merkten meinen Zornesmord und griffen zu den Waffen. "Mörder!", "Stirb!", riefen sie mir zu. "Na los Lokhi! Die schaffst du auch alleine!". Drei Zwergenkrieger gegen mich. Eigentlich ein unfaires Duell, doch wir vom Schreckensaxt-Clan liebten die Herausforderung und wir wussten, dass wir stärker waren als die üblichen eher friedlebenderen Zwerge. Ich packte also meine wuchtige Axt vom Rücken und stürmte auf einen der Krieger zu. Blitzschnell fügte ich ihm eine tödliche Wunde an seinem Bauch zu, worauf er seufzend in seiner eigenen Blutlache dahinstarb. Die anderen beiden Krieger waren von meinem schnellen Sieg so erschrocken, dass ich diese Chance ausnutzte und auch die restlichen von ihnen den Tod brachte. Meine Brüder jubelten klatschend zu. Doch es war nicht genug für mich...
Die Kampfwut eines Kriegers ist nicht zu vergleichen mit dem üblichen Zorn. Einmal in Rage und Blutlust gefangen, mutiert der Krieger zu einer willenlosen Tötungsmaschine - so wie wir für unser Leben ausgebildet wurden. Ich rannte also zu den Häusern und schlachtete alles, was sich bewegte. Frauen, Kinder, Tiere, alte und kranke Leute... sie alle starben am Hieb meiner Axt. Doch mein letzter Akt des Todes, in diesem Dorf, blieb seitdem fest in meinem Gedächtnis eingebrannt, als wäre es eine Art göttliche Bestrafung zugleich Erleuchtung. Ich trat die Tür ein und sah eine Zwergenfrau beim Stillen ihres Kindes. Erschrocken kroch sie auf die Knie und winselte um Gnade. Ich kannte keine Gnade. Ich hob meine Axt, doch zögerte ich diesmal für einen Moment, und tötete die Mutter. Der Säugling jedoch fiel zu Boden und weinte fürchterlich. Mit der eisernen Sohle meiner Stiefel, zerquetschte ich seinen weichen Schädel.
Das Massaker war zu Ende und wir raubten uns die wenigen Güter des Dorfes, vor allem das Bier, und machten uns wieder auf dem Weg. Während der Nachruhe, als meine Wut endgültig abkühlte und mein Verstand die volle Kontrolle zurückgewann, konnte ich nicht schlafen. Ich hatte ein schlechtes Gefühl im Bauch. Ein Gefühl, das ich schon von früher kannte und immer wieder versuchte zu verdrängen, so wie es unsere Lehrer beibrachten. Doch diesmal war es stärker. Zu stark. Die Bilder von den letzten Minuten meiner unbewaffneten und hilflosen Opfer, vor allem der Frau und dem Baby, wurzelten sich in meinem Kopf fest. So sehr, dass ich mich schließlich in die Büsche ergeben musste. Auch in den nächsten Tagen waren die Bilder und das Gefühl immer noch stark präsent. Zweifel regten sich in mir. Zweifel, ob ich auch das richtig tue. Es fiel mir schwer, auch noch daran zu denken, zu kämpfen. Wenige Tage später, als ich alleine war, zog ich in die weite Wildnis und verließ meinen Clan... endgültig. Ich traf nie wieder ein Mitglied des Clans. Es zog mich in die große Stadt, einem Ort, wo man auch ohne Blutvergießen Geld verdienen können sollte. Ja, das war mein damaliges Ziel - ein friedliches Leben zu führen.
...
Fortsetzung folgt... |
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